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ThuSep20

Österreichische Versicherer behindern den europäischen Kohelausstieg

VIG und UNIQA Ostrołęka C

Polen ist das Land in der Europäischen Union, das am meisten abhängig von schmutziger Kohle ist und immer noch eine massive Expansion seines Kohlesektor plant. Würden die geplanten Kohlekraftwerke gebaut, würde das den vorzeitigen Tod von Tausenden von Menschen bedeuten und das Erreichen der Ziele des Pariser Abkommens unmöglich machen. Werden österreichische Versicherer ihre eigene Mission, die Gesellschaft vor katastrophalen Risiken zu schützen, untergraben und Kohleprojekte versichern?

Das im Februar 2018 veröffentlichte Briefing ‘Dirty business’ der Koalition Unfriend Coal zeigt, wie Europäische Versicherungsunternehmen die polnische Kohlewirtschaft unterstützen. So sind führende Versicherer an der Risikoübernahme sowohl für bestehende Infrastruktur als auch für neue Projekte beteiligt, womit die Kohlekapazitäten in dem Land erhöht werden, das Gastgeber der diesjährigen COP24 ist. Das Briefing beleuchtet zudem, wie hoch die Investitionen europäischer Versicherungsunternehmen oder ihrer lokalen Niederlassungen in polnische Energieunternehmen  sind.

Österreichische Versicherer, die hinter den polnischen Kohleprojekten stehen, sind UNIQA und zwei Tochterfirmen der Vienna Insurance Group (VIG): Interrisk und Gothaer Poland (kürzlich von VIG erworben). UNIQA, Interrisk und Gothaer haben zwar nur wenige Versicherungsverträgen mit Kohlefirmen in Polen abgeschlossen, sie sind dennoch wichtige Akteure in diesem Sektor. Denn die Versicherungen, die sie vergeben haben, waren in den meisten Fällen bedeutend für neue Kraftwerkskapazitäten oder bestehende Kohlebergwerke, Tagebaue und Kraftwerke. Darüber hinaus ist VIG Re einer der wichtigsten Rückversicherer von PZU, dem polnischen Versicherungsunternehmen, das der wesentliche Versicherer des polnischen Kohlesektors ist.

Zum Beispiel versichert ein Versicherungskonsortium von UNIQA, Interrisk und Gothaer den laufenden Bau des neuen Kohlekraftwerksblocks Turów (490 MWe), im Besitz von PGE.

Seitdem haben unter anderem Generali, Allianz, Swiss:Re, Hannover:Re und Munich:Re angekündigt,  Investitionen in Kohlefirmen zu beenden, zudem beschränken Allianz, Swiss:Re und Munich:Re die Versicherung von Kohleprojekten. Jetzt, Ende September und damit weniger als drei Monate vor der COP24 in Katowice, müssen österreichische Versicherer entscheiden, auf welcher Seite der Energiewende sie stehen, und ob sie  das Pariser Klimaabkommen unterstützen. Ein konkreter Fall dies zu tun ist der Plan für ein neues Kohlekraftwerk, den die staatlichen polnischen Energieunternehmen ENEA und ENERGA verfolgen.

Ostrolęka C, ein geplantes 1000 MWe Kohlekraftwerk, ist ein überaus kontroverses Projekt. [1] Sollte es fertiggestellt werden, würde es 2023 den Betrieb aufnehmen und soll 40 Jahre lang laufen. Bis zum Jahr 2063 würde es demnach jährlich sechs Millionen Tonnen CO2 ausstoßen und damit dem Pariser Klimaabkommen zuwider laufen, das eine Dekarbonisierung bis Mitte des Jahrhunderts verlangt. Somit setzt die Strategie der beiden hinter dem Projekt Ostrołęka C stehenden Energieunternehmen ENEA und ENERGA auf ein Scheitern des globalen Klimaabkommens.

Die Analyse ‘Beyond 2°C’ (Jenseits von 2°C) der Internationalen Energieagentur zeigt, dass alle OECD-Staaten und die Europäische Union bis 2030 aus der Kohle aussteigen müssen, um in Übereinstimmung mit den Pariser Klimazielen zu sein. Die geschätzten Gesundheitsauswirkungen des neuen Blocks Ostrołęka C über die gesamte Betriebsdauer liegen bei etwa 2.000 vorzeitigen Todesfällen, 620 Fällen chronischer Bronchitis bei Erwachsenen, mehr als 3.000 Fällen von Bronchitis bei Kindern, mehr als 420.000 Krankentage und fast 100.000 Tagen mit Asthma-Symptomen bei Kindern. Die Gesundheitskosten, die mit der zusätzlichen Luftschadstoffbelastung durch den geplanten Kraftwerksblock einhergehen, werden auf 690 Millionen Euro geschätzt. [2]

Neben der Kritik aufgrund von Umwelt- und Gesundheitsgefahren, wird Ostrołęka C auch zunehmend aus wirtschaftlichen Gründen in Frage gestellt und als unwirtschaftliches Unterfangen betrachtet. Bei dem Kraftwerk handelt es sich um ein veraltetes Projekt, das bereits 2012 die nötigen Genehmigungen hatte, dann jedoch aufgrund wirtschaftlicher Risiken zum Stillstand kam. Die steigenden Zertifikatspreise für CO2 und die unsichere Zukunft von Kapazitätsmarkt-Zahlungen verschlechtern nun die ökonomischen Aussichten weiter. Eine überarbeitete Wirtschaftlichkeitsstudie durch die Instrat Foundation führt diesen Aspekt weiter aus. [3] Ähnliche Schlussfolgerungen trafen die Autoren des Berichts von Carbon Tracker Ostroleka C – Burning more money than coal, der einen möglichen negativen Kapitalwert des Projektes von 1,7 Milliarden Euro prognostiziert.[4]

Auf eine Frage der Organisation “Development YES - Open-Pit Mines NO” antwortete die Vorsitzende der Corporate Responsibility der Allianz SE, Katharina Latif: “Wir versichern den Bau des geplanten Kohlekraftwerks Ostrołęka C von 1000 MWe nicht. " Auch Generali bestätigte, dass sie Ostrołęka C nicht versichern werden.

Es ist höchste Zeit, dass die Vienna Insurance Group und  UNIQA in ähnlicher Weise öffentlich Stellung zu dem Projekt beziehen.

UNIQA und Vienna Insurance Group (VIG) stehen im Fokus, da die Firmen in der Vergangenheit Risikoübernahmen für die polnische Kohleindustrie getätigt haben. Die wenigen Verträge, die diese Firmen seit 2013 abgeschlossen haben [5], waren in den meisten Fällen bedeutende Geschäfte und mitunter ausschlaggebend für den Ausbau der polnischen Kohlekapazitäten, oder für wichtige bestehende Kohleminen, Tagebaue oder Kraftwerke.

Kuba Gogolewski

Senior Finance Campaigner

Foundation “Development YES - Open-Pit Mines NO”

Polnisches Mitglied in der Koalition UnFriend Coal

 

[1] Wysokie Napiecie: The last coal power plant in Poland may be only wishful thinking

https://wysokienapiecie.pl/12645-last-coal-power-plant-poland-may-wishful-thinking/

[2] STOP Ostroleka C Power Plant: Health impacts of Elektrownia Ostroleka C

https://elektrowniaostroleka.com/impacts/health

[3] Instrat Foundation: Ostroleka C – next steps for the last Europe’s coal power plant,

https://elektrowniaostroleka.com/upload/filemanager/StopEOC/Dokumenty/OstrolekaC_Instrat_report_eng.pdf

[4] Carbon Tracker: Ostroleka C – Burning more money than coal, https://www.carbontracker.org/ostroleka-c-burning-through-more-money-than-coal/

[5] Laut der Datenbank des Europäischen Öffentliche Vergabe-Anzeigers, Tenders Electronic Daily (TED), gewann UNIQA mindestens fünf, Interrisk zwei, and Gothaer zwei Sachversicherungen für den polnischen Kohlesektor, für Steinkohlebergwerke und Braunkohletagebaue sowie Kraftwerke.  http://ted.europa.eu/

 

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